07.06.2019 In diesem Jahrhundert wurden noch nie so wenige Totalverluste von Schiffen verzeichnet wie in 2018.

Wie aus der Safety And Shipping Review 2019 der Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) hervorgeht, ist die Zahl dieser Schäden im Jahresvergleich um 50 Prozent gesunken - und um 55 Prozent gegenüber dem Zehnjahresdurchschnitt. Die jährlich veröffentlichte Studie analysiert die gemeldeten Verluste von Schiffen über 100 Bruttoregistertonnen. 2018 kam es auf den Weltmeeren zu 46 Totalverlusten von Schiffen dieser Größe, während in den vorangegangenen zwölf Monaten noch 98 Fälle zu beklagen waren. Zu diesem Rückgang beigetragen haben insbesondere deutlich niedrigere Verluste im globalen Unfall-Hotspot Südostasien sowie eine Halbierung der durch Unwetter hervorgerufenen Verluste (auf 10). Dies war begünstigt durch eine ruhigere Hurrikan- und Taifun-Saison.

Maschinenschäden als häufigste Schadenursache
Trotz des Rückganges an Totalverlusten ist die Gesamtzahl der gemeldeten Schäden - 2018 waren es 2.698 Vorfälle - im Vorjahresvergleich mit weniger als einem Prozentpunkt nur unwesentlich zurückgegangen. Maschinenschäden - wie jüngst beim Kreuzfahrtschiff MSC Opera in Venedig - sind dabei die häufigste Schadenursache; sie sind für mehr als ein Drittel der insgesamt über 26.000 Vorfälle des letzten Jahrzehnts verantwortlich und traten mehr als doppelt so häufig auf wie Schiffskollisionen.

Besonders gefährliche Regionen
Die meisten Verluste treten nach wie vor in den Gewässern Südchinas, Indochinas, Indonesiens und der Philippinen auf. 2018 wurde jeder vierte Totalverlust aus dieser Weltregion gemeldet. Unter den besonders gefährlichen Regionen an zweiter und dritter Stelle stehen die östliche Mittelmeer- und Schwarzmeerregion sowie die Gewässer der Britischen Inseln.

Brände verursachen große Schäden
Auch Brände an Bord verursachen nach wie vor große Schäden und nehmen weiter zu (174 gegenüber 164 in 2017). Dieser Trend hat sich im laufenden Jahr fortgesetzt: Erst vor kurzem kam es zu Feuern auf Containerschiffen und drei größeren Bränden auf Autotransportern. Vermutlich geht eine Reihe von Bränden auf hoher See auf falsch deklarierte Ladung und unter anderem auf inkorrekt verpackte und etikettierte gefährliche Güter zurück.

Herausforderungen durch Emissionsvorschriften
Ab Januar 2020 gelten neue Obergrenzen für den Ausstoß von Schwefeldioxid. Die Regelungen dürften weitreichende Konsequenzen für Kostenstruktur, Compliance und Crews haben. Die Betreiber großer Häfen in aller Welt erwägen sogar, sogenannte "Sniffer Drones" also "fliegende Spürhunde" einzusetzen, um Umweltsünder ausfindig zu machen. Reeder, die aus Kostengründen keine schwefelarmen Kraftstoffe verwenden, haben mit empfindlichen Strafen zu rechnen.

Veränderte Sicherheitslage mit neuen Herausforderungen
Risiken gehen auch von einer veränderten Sicherheitslage aus: Territorialstreitigkeiten, Cyber-Angriffe, Sanktionen, Piraterie und auch Sabotage entwickeln sich zur wachsenden Bedrohung für die Seefahrt, den Handel und die Lieferketten. Der jüngste Angriff auf einen Öltanker im Nahen Osten hat dies deutlich gezeigt. Auch die steigende Zahl von Migranten auf hoher See und von blinden Passagieren auf Handelsschiffen hat schwerwiegende Konsequenzen für Schiffseigentümer. Verzögerungen, Umwege und Besatzungen unter erhöhtem Druck sind die Folgen. 2018 wurden zudem über 200 Fälle von Piraterie registriert; hier sind die Gewässer Nigerias derzeit am gefährlichsten.

Weitere Informationen:
www.agcs.allianz.com