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Kategorie: Dienstleister

22.04.2021 Vor vier Wochen hat der Konzern Deutsche Post DHL Group seine neue Nachhaltigkeitsstrategie präsentiert und das Null-Emissions-Ziel bis 2050 bekräftigt. Nun hat das Unternehmen konkretisiert, wie der Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland in den nächsten Jahren klimafreundlicher werden will.

Dazu soll insbesondere in den Bau von CO2-neutralen Betriebsstätten und die Nachrüstung bereits bestehender Gebäude sowie den weiteren Ausbau der Elektroflotte investiert werden. Darüber hinaus will das Unternehmen den Anteil an Paketsendungen, die zwischen größeren Paketzentren auf der Schiene transportiert werden, von heute 2 Prozent zunächst verdreifachen und langfristig auf bis zu 20 Prozent erhöhen. Auch im Bereich der Produkte und Services wollen Deutsche Post und DHL "grüner" werden: Neben dem heutigen "GoGreen"-Angebot sollen ab 2022 weitere Produkte und Services angeboten werden, mit denen Privat- und Geschäftskunden die beim Paketversand entstehenden Emissionen ausgleichen oder sogar vermeiden können. Ab 2022 werden zudem die verbleibenden CO2-Emissionen für nationale und internationale Briefsendungen automatisch und ohne Aufpreis durch zertifizierte Projekte ausgeglichen.

Dazu erklärt Tobias Meyer, Vorstand Post & Paket Deutschland im Konzern Deutsche Post DHL Group: "Der Klimawandel ist die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Als Deutsche Post und DHL wollen wir weiter vorangehen und unsere führende Position in Deutschland beim Thema Nachhaltigkeit ausbauen. Deshalb werden wir trotz steigendem Anteil warentragender und transportintensiverer Sendungen in unserem Netz die von uns direkt oder indirekt verursachten CO2-Emissionen senken und die verbleibenden Emissionen zu einem noch höheren Anteil ausgleichen. Hierzu werden wir unsere Infrastruktur und Prozesse umbauen und neue, klimafreundliche Produkte anbieten. Unser Ziel ist dabei, der beste Post- und Paketdienstleister zu bleiben - gerade auch bei der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit!"

 

Grüne Gebäude

Bis zum Jahr 2025 will Deutsche Post DHL bis zu 280 CO2-neutrale Zustellstützpunkte (ZSP) in ganz Deutschland errichten. Von diesen Zustellstützpunkten verteilen die nach Haustarif der Deutschen Post vergüteten Zustellerinnen und Zusteller die Briefe und Pakete an die Haushalte in ihrem Bezirk. Diese neuen ZSP-Eigenbauten werden ausgestattet mit Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen in Verbindung mit Fußbodenheizungen und Gebäudeautomation. An einzelnen Standorten ergänzen Batteriespeicher das Energiekonzept. In diesen wird der tagsüber geladene Solarstrom gespeichert und nachts für die Fahrzeugladung verwendet. Für die Speicherung kommen Batterien von ausgemusterten E-Fahrzeugen zum Einsatz, die auch nach Ende ihres Lebenszyklus in einem Elektrofahrzeug eine für stationäre Zwecke ausreichende Speicherkapazität aufweisen. Dadurch können sie noch viele Jahre als Pufferspeicher für Solarstrom genutzt werden. Jeder dieser ZSP spart - nur bezogen auf das Gebäude - rund 20 Tonnen CO2 pro Jahr gegenüber einem herkömmlichen Gebäude ein. Allein durch diese Maßnahme spart das Unternehmen 5.600 Tonnen CO2 in 2025 ein.

Auch bei anstehenden Großbauten wird Nachhaltigkeit großgeschrieben. Das in Planung befindliche Briefzentrum Germering bei München, das Ende 2023 den Betrieb aufnehmen und Platz für 1.300 Mitarbeiter bieten soll, wird über eine 1,5 Megawatt Photovoltaik-Anlage, einen Batteriespeicher sowie eine Dach- und Fassadenbegrünung verfügen. Die Beheizung und Kühlung soll zudem durch eine Grundwasserwärmepumpe erfolgen. Auch das Paketzentrum Ludwigsfelde bei Berlin, das 2022 eröffnet werden soll, wird über eine Photovoltaikanlage mit Strom versorgt werden. Darüber hinaus wird ein eigenes wärmegeführtes Blockheizkraftwerk den Strom und die Wärmeenergie erzeugen. Generell gilt für den Strom in den Betriebsstätten, dass der Anteil von Öko-Strom weiter bei mindestens 95 Prozent bleiben soll.

E-Mobilität, Ladeinfrastruktur und E-Trikes

Bereits heute ist Deutsche Post DHL Vorreiter in der E-Mobilität und mit über 15.000 Elektrotransportern der Eigenmarke StreetScooter der mit Abstand größte E-Flottenbetreiber in Europa und darüber hinaus. 2022 wird die Flotte auf etwa 21.500 StreetScooter anwachsen und es wird ein neues Modell dazukommen: Erste Prototypen des "StreetScooter Gigabox" mit einem Ladevolumen von 12 Kubikmetern und Platz für rund 240 Pakete sollen noch in diesem Jahr eingesetzt werden. 2025 soll die Zustellflotte dann insgesamt 37.000 E-Fahrzeuge umfassen, darunter auch E-Nutzfahrzeuge etablierter Autohersteller, soweit verfügbar. Elektrofahrzeuge eignen sich besser als Verbrenner für Fahrten mit Start-Stopp-Verkehr, wie in der Brief- und Paketzustellung üblich. Jedes Fahrzeug spart dabei ca. 4 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr im Vergleich zu einem konventionellen Fahrzeug ein. Bis 2025 reduziert das Unternehmen so seine jährlichen CO2-Emissionen um 150.000 Tonnen.

Das Unternehmen passt auch die Ladeinfrastruktur an den weiteren Ausbau der E-Flotte an. Bereits heute ist Deutsche Post DHL mit 20.000 Ladepunkten in seinen Betriebsstätten der größte private Ladeinfrastruktur-Betreiber im Land. Zum Vergleich: In ganz Deutschland gibt es aktuell gerade einmal 40.000 öffentliche und teilöffentliche Ladesäulen.

Ergänzt wird die Elektroflotte durch 8.000 E-Bikes und rund 9.000 E-Trikes, dreirädrige elektrisch betriebene Lastenräder. Bis 2025 schafft die Deutsche Post weitere 5.000 E-Trikes an. Diese sind umweltfreundliche Transportmittel für die Zustellung in den Städten. Aufgrund ihrer hohen Zuladungskapazität ermöglichen sie die Mitnahme von kleinen Paketen. Allein im letzten Jahr konnten so 58 Millionen kleine Pakete CO2-frei und umweltfreundlich zugestellt werden.

Ausbau des Packstation-Netzes

Mit den Packstationen können DHL-Kunden einfach, bequem und rund um die Uhr Pakete versenden und empfangen. Damit tragen sie auch zum Klimaschutz bei: Im Vergleich zur Haustür-Zustellung spart eine Packstation-Sendung auf der letzten Meile im Durchschnitt 30 Prozent CO2 ein. Denn die Zustellerinnen und Zusteller können pro Stopp an der Packstation mehrere Dutzend Pakete abliefern und abholen. Zudem haben die neueren Generationen der Packstation ein weiter entwickeltes Energiekonzept. Über Solarpanels auf den Automaten decken sie ihren eigenen Energiebedarf. Sowohl wegen des Umweltaspekts als auch aufgrund der hohen Kundennachfrage wird Deutsche Post DHL das Netz bis 2023 auf über 12.500 Automaten ausbauen.

Verlagerung auf die Schiene

Für die Sicherung des Pakettransports und im Interesse kurzer Laufzeiten sind täglich zahlreiche LKW im Paketnetzwerk auf Straßen und Autobahnen unterwegs. Der Anteil der auf der Schiene transportierten Sendungen beträgt hier gerade einmal 2 Prozent. Mittelfristig ist die Zielsetzung von Deutsche Post DHL, diesen Anteil zu verdreifachen. Langfristig wäre es denkbar, rund 20 Prozent der Pakete per Bahn zu transportieren. Damit dies gelingt, sind viele Veränderungen erforderlich - von schnellen Güterwaggons bis zur Verfügbarkeit neuer Lokomotiven, besserer Trassen und schneller, kostengünstiger Verlademöglichkeiten vom LKW auf die Bahn und umgekehrt.

Schon seit dem Jahr 2000 fährt jede Nacht ein Paket-IC auf einer Nord-Süd-Anbindung Pakete durch die Republik, und bei weniger zeitsensiblen Transporten am Wochenende ist der Anteil des Schienentransports bereits erhöht worden. Seit dem vorweihnachtlichen Starkverkehr, in dem doppelt so viele Züge eingesetzt wurden als zuvor, sind in Zusammenarbeit mit der DB Cargo mittlerweile fünf Wochenendzüge für Deutsche Post DHL im Einsatz. Um den klimafreundlicheren Pakettransport auf der Schiene weiter auszubauen, plant Deutsche Post DHL, ausgewählte große Paketzentren mit Gleisanschlüssen auszustatten. Dadurch sollen Transporte zu den Terminals reduziert, die Verladung beschleunigt und noch höhere Mengen in den zur Verfügung stehenden Zeitfenstern auf der Schiene transportiert werden.

Ausweitung des GoGreen-Produktportfolios

Seit 2007 bieten Deutsche Post und DHL mit dem Service GoGreen die Möglichkeit an, die beim Versand unvermeidbar entstehenden CO2-Emissionen durch zertifizierte Klimaschutzprojekte auszugleichen. Seit zehn Jahren ist jedes Privatkundenpaket innerhalb Deutschlands automatisch CO2-kompensiert. Ab 2022 wird auch der Versand aller nationalen und internationalen Briefsendungen von Privat- und Geschäftskunden CO2-kompensiert erfolgen. Die Kunden zahlen dabei keinen Aufpreis für diesen nachhaltigeren Versand.

Im Zeitraum 2015/2016 bis 2019/2020 ist es DHL bereits gelungen, die eigenen CO2-Emissionen pro Paket um 25 Prozent zu verringern, unter anderem durch die massive Ausweitung der E-Flotte und die klimafreundliche Gestaltung der eigenen Gebäude. Auf Basis öffentlich verfügbarer Quellen und Schätzungen anhand der Erfahrungen bei vergleichbaren logistischen Abläufen geht das Unternehmen davon aus, dass gegenwärtig im Durchschnitt mindestens 30 Prozent weniger CO2-Emissionen pro Paket entstehen als bei den Wettbewerbern im Paketmarkt. Gleichwohl will DHL das Angebot an klimafreundlichen Produkten zum Ende des Jahres weiter ausbauen mit dem Ziel, Geschäftskunden mehr Transparenz über die Qualität der konkreten CO2-Einsparung zu verschaffen. Dabei ist die Zielsetzung, im Rahmen des GoGreen-Produktangebots ab 2022 zusätzliche Optionen und CO2-reduzierte Paketprodukte anzubieten, die Kunden die Möglichkeit geben, bei der Absenkung der absoluten CO2-Emissionen aktiv mitzuwirken.